Brand Stories: Wer steckt hinter einer Marke, was will sie, und was macht sie echt? Heute: die Kardashians.
Über Marken zu sprechen, ohne die Kardashians zu erwähnen, geht nicht. Sie haben ein Imperium aufgebaut, das kennt jede. Aber wisst ihr, wie viel Markenarchitektur darunter liegt?
Jede von ihnen hat auf ihre eigene Weise einen Weg gefunden, selbst zur Marke zu werden. Und dann auch noch Marken in ganz verschiedenen Bereichen aufzubauen, die auch ohne ihren Namen funktionieren.
Die Dachmarke in einem Bild: Kris mit Kendall, Kim, Kylie, Kourtney und Khloé.
Die Geschichte
Bekannt war die Familie schon vor der Show. Vater Robert Kardashian war Anwalt und gehörte 1995 zum Verteidigerteam von O.J. Simpson. Kris' zweiter Ehepartner Caitlyn Jenner war 1976, damals als Bruce Jenner, Olympiasieger im Zehnkampf.
Und das Geschäft begann früh. Kourtney und Kris eröffneten die Kinderboutique Smooch in Los Angeles und New York. Kim war mit Paris Hilton befreundet, organisierte als ihre Assistentin deren Kleiderschrank und war in Los Angeles als Closet Organizer gefragt. 2006 eröffneten Kim, Kourtney und Khloé die Boutique Dash, später mit Filialen in Miami und New York. Ein Jahr danach startete «Keeping Up with the Kardashians». Die Show lief von 2007 bis 2021, seit 2022 heisst sie «The Kardashians» und läuft auf Hulu und Disney+.
Aus Sichtbarkeit wurden Firmen. 2015 kamen Kylies Lip Kits, 2019 SKIMS, danach Marken für Wellness, Snacks, Tequila und Putzmittel. Dash schloss 2018. Kim erklärte das damals so: Die Schwestern seien gewachsen und hätten nun ihre eigenen Marken.
Wer dahinter steht
An der Spitze steht Kris Jenner, Mutter von sechs Kindern und Managerin der Familie. Darunter fünf Töchter mit eigenen Firmen: Kourtney, Kim, Khloé, Kendall und Kylie. Und im Hintergrund Partner, die man kaum kennt: Emma Grede hat Good American und Safely mitgegründet und ist Gründungspartnerin von SKIMS, ihr Mann Jens Grede führt SKIMS als CEO. Bei Kylie Cosmetics hält der Beauty-Konzern Coty seit 2020 die Mehrheit.
Markenarchitektur
Ein Name, sechs Frauen, viele Marken
Dachmarke
Kardashian-Jenner
Die Familie als Medienmarke: «Keeping Up with the Kardashians» (2007 bis 2021), seit 2022 «The Kardashians». Kris Jenner hält als Managerin die Fäden zusammen.
Persönliche Marken und ihre Firmen
Kim
Die Unternehmerin
Kylie
Der Name als Marke
Khloé
Inklusion und Protein
Kourtney
Wellness
Kendall
Das Gesicht
Kris
Die Architektin
Vier Strategien unter einem Dach
Branded House
Kylie macht ihren Vornamen zur Marke, von Kosmetik bis Babypflege.
House of Brands
Kim, Kourtney und Kendall bauen Marken mit eigenem Namen. SKIMS hat SKKN geschluckt und bringt 2027 eigene Beauty.
Endorsement
Die Familie leiht allen Marken ihre Aufmerksamkeit, aber nur selten ihren Namen.
Co-Branding in der Familie
Die Schwestern verbinden ihre Marken: Lemme und Kylie Cosmetics bringen 2026 gemeinsame Beauty-Gummies.
Selbst Marke sein, und trotzdem loslassen
Spannend finde ich, wie unterschiedlich die Schwestern ihre Marken bauen. Kylie setzt auf ihren Namen: Kylie Cosmetics, Kylie Skin, Kylie Baby. Kim ging den umgekehrten Weg. Ihre ersten Beauty-Marken hiessen KKW Beauty und SKKN by Kim. Heute ist SKIMS ihr Zentrum, eine Marke ohne ihren Namen, 2025 mit fünf Milliarden Dollar bewertet. SKKN wurde 2025 eingestellt und in SKIMS integriert, 2027 soll SKIMS Beauty folgen.
NikeSKIMS: Der erste gemeinsame Schuh, der Rift Mesh, kam im Januar 2026 in Nordamerika auf den Markt.
Auch der Name SKIMS ist eine Lektion. Ursprünglich sollte die Marke «Kimono» heissen. Nach Kritik wegen kultureller Aneignung benannte Kim sie 2019 um. Den neuen Namen hat sie nicht allein gesucht, sondern ihre Community einbezogen. So erzählt sie es selbst in ihrer MasterClass. Kourtney (Poosh, Lemme), Kendall (818 Tequila) und Khloé (Good American) bauen ebenfalls Namen, die für sich stehen. Und neu verbinden die Schwestern ihre Marken direkt: Lemme und Kylie Cosmetics haben 2026 gemeinsame Beauty-Gummies lanciert.
Bei Kendall stand am Anfang aber keine Firma, sondern sie selbst: Sie hat sich zuerst als Topmodel zur Marke gemacht. Supermodels, die selbst zur Marke werden, kannte man vor allem aus den Neunzigern, mit Claudia Schiffer, Naomi Campbell und Cindy Crawford. Kendall und Gigi Hadid stehen für die nächste Generation, die mit Instagram gross wurde. 2017 war Kendall laut Forbes das bestbezahlte Model der Welt und löste Gisele Bündchen ab, die seit 2002 vorne lag. Ihre eigene Marke, 818 Tequila, kam erst 2021.
Wofür sie stehen
Für mich hat die Dachmarke Kardashian vier Werte:
- Familie: Sie zeigen sich als Grossfamilie, seit bald zwanzig Jahren vor der Kamera.
- Sichtbarkeit: Fast alles ist öffentlich, und Aufmerksamkeit wird zum Kapital.
- Körper und Selbstbild: von Shapewear über Make-up bis zu Wellness.
- Unternehmertum: Jede Schwester ist Gründerin, keine nur Gesicht.
Das Versprechen dahinter ist Nähe. Man kennt sie aus der Show und kauft ein Stück ihres Lebens.
Brand Circle
Die Kardashians, von innen nach aussen
Im Brand Circle stehen nur Marken, die von innen nach aussen gebaut sind: vom Warum bis zum Moment, der bleibt.
Wo man sie kaufen kann, auch in der Schweiz
Eigene Läden sind bei der Familie die Ausnahme. SKIMS hat seit 2024 eigene Stores, der erste steht in Washington D.C. Kylie Cosmetics hat im November 2025 einen eigenen Store in Singapur eröffnet. Sonst verkaufen die Marken vor allem online und über den Handel. Auch bei uns:
- SKIMS: seit Juli 2025 bei Globus, an der Bahnhofstrasse in Zürich, in Genf und online. Globus ist der erste Schweizer Händler der Marke.
- NikeSKIMS: online bei Nike Schweiz.
- Kylie Cosmetics: bei Douglas, dort auch Kylie Skin und die Düfte.
- Good American: online bei Zalando, Breuninger und Revolve.
- 818 Tequila: über Spirituosen-Shops wie myspirits.ch.
Für Lemme, Safely, Khloud und Sprinter habe ich keinen Schweizer Händler gefunden.
Wo es nicht ganz aufgeht
Zwischen Anfang und heute gibt es Brüche. Ihr Startkapital war Bekanntheit: die des Vaters, die von Caitlyn Jenner, Kims Nähe zu Paris Hilton, dann die Show. Heute führen sie Firmen mit Milliardenbewertung. SKIMS und Good American stehen für jeden Körper, gleichzeitig hat Kim für die Met Gala 2022 in drei Wochen rund sieben Kilo abgenommen, um in das Kleid von Marilyn Monroe zu passen. Das brachte ihr viel Kritik ein. Safely setzt auf pflanzenbasierte Putzmittel, und Kylie wurde 2022 für einen 17-minütigen Flug im Privatjet als Klimasünderin bezeichnet.
Ich finde: Gerade diese Brüche machen sie interessant. Sie zeigen, wie gross der Abstand zwischen Markenversprechen und gelebtem Alltag sein kann. Und wie schnell eine Marke reagieren muss, wenn er zu gross wird, wie bei «Kimono».
Wie viele Megatrends sie schon abdecken
Das Zukunftsinstitut ordnet die grossen Veränderungen unserer Zeit in Megatrends. Seit 2025 sind es elf, vorher waren es zwölf. Ich habe die Marken der Familie wie Haltestellen auf die Megatrend-Linien gelegt. Das Ergebnis ist unglaublich: Sie halten bereits auf 8 von 11 Linien.
Megatrends als Liniennetz
Wo die Kardashians halten
Die elf Megatrends des Zukunftsinstituts als Linien, Subtrends als Stationen. Wo die Familie mit einer Marke hält, leuchtet die Station: Sie hält bereits auf 8 von 11 Linien.
Gesundheit
6 von 7 Stationen
Holistic Health
Poosh
Self-Care
Lemme, k2o by Sprinter
Umsteigen: Identitätsdynamik
Femtech
Lemme Purr
Achtsamkeit
TRIP (Kendall)
Sportivity
NikeSKIMS
Selbstoptimierung
Khloud, UPDATE Energy
Digital Health
Konnektivität
4 von 6 Stationen
Social Networks
Instagram, TikTok
Digital Reputation
die Familie als Marke
Umsteigen: Identitätsdynamik
Platform-Ökonomie
The Kardashians auf Hulu und Disney+
Omnichanneling
SKIMS: Stores und online
Künstliche Intelligenz
Augmented Reality
Identitätsdynamik
4 von 5 Stationen
Female Leadership
Kris Jenner, Emma Grede
Diversity
Good American, SKIMS
Self-Care
Lemme
Umsteigen: Gesundheit
Digitale Identität
jede Schwester als eigene Marke
Umsteigen: Konnektivität
Post-Gender
Future of Work
2 von 4 Stationen
Coopetition
die Schwestern
Business Ecosystems
Emma und Jens Grede
Remote Work
Co-Working
Globalisierung
1 von 4 Stationen
Global City
SKIMS-Flagships im Ausland
Nearshoring
Neo-Nationalismus
Multipolare Weltordnung
Demografischer Wandel
1 von 3 Stationen
Neue Lebensentwürfe
die Patchwork-Grossfamilie als Show
Pro-Aging
Migration
Ökointelligenz
1 von 4 Stationen
Plant Based
Safely
Zero Waste
Circular Economy
Green Tech
Wissenskultur
1 von 3 Stationen
Lifelong Learning
Kims Weg zur Anwältin
Edutainment
Open Knowledge
Linien ohne Halt
Urbanisierung
noch kein Halt
Third Places
Micro-Housing
Smart City
Mobilität
noch kein Halt
E-Mobility
Shared Mobility
Slow Travel
Sicherheit
noch kein Halt
Trust Technology
Resilienz
Transparenz
Die Familie hält dort, wo es um Körper, Selbstbild und Aufmerksamkeit geht. Auf den Linien zu Mobilität, Sicherheit und Stadt fährt sie ohne Halt durch.
Megatrends nach Zukunftsinstitut (Megatrend-Map 2025), Stationen als eigene Auswahl und Darstellung · Stand Oktober 2026
Station Selbstoptimierung: UPDATE, ein koffeinfreier Fokus-Drink, neu in Kims Portfolio.
Die nächste Generation
Kris Jenner hat 13 Enkelkinder (Stand 2025). Eigene Marken haben sie noch nicht, bisher sind es die Frauen selbst. Doch der erste Schritt ist gemacht: Im Januar 2026 hat Kim Markenrechte für «NOR11» angemeldet, für Kleider, Schuhe, Schmuck und Taschen, offenbar für ihre Tochter North West. Lanciert ist die Marke noch nicht.
Wo es mich packt
Sie verkörpern Grossfamilie. Damals wie heute, mit allen Brüchen, Patchwork und Enkelkindern. Genau das macht die Dachmarke so stark: Jede Schwester ist eigenständig, und trotzdem gehören alle zusammen.
Damals wie heute eine Grossfamilie: Kris mit ihren fünf Töchtern.
Und es zeigt etwas, das ich an Marken liebe: Die stärksten Marken der Familie funktionieren ohne ihren Namen. SKIMS, Lemme oder 818 würden auch ohne Kardashian bestehen. Der Name öffnet die Tür, aber die Marke muss selbst gehen können.
Ein Name als Dach, darunter ein ganzes Liniennetz. Und die nächste Generation steht schon am Gleis.
Stand Oktober 2026 · Megatrends nach Zukunftsinstitut (Megatrend-Map 2025) · Quellen: Fortune, Forbes, BeautyMatter, Business Wire, Cosmetics Business, Bloomberg, Gulf News, MasterClass, 20 Minuten, Retail Dive · Bilder: eingebettete Instagram-Posts der jeweiligen Accounts