Brand Stories: Wer steckt hinter einer Marke, was will sie, und was macht sie echt? Heute: Maison Mollerus.
Zwei M, verbunden von einem Ikarus. Maison Mollerus gehört zu den Taschen, die man in der Schweiz auf den ersten Blick erkennt. Dahinter steckt kein Konzern, sondern eine Familie aus Erlenbach. Und eine Geschichte, die mit einem Liebesbeweis beginnt.
Zufall? Mein Foto im Schnee ist im Frühling 2026 entstanden. Dass Mollerus schon im Januar genau solche Szenen mit Schnee und Ski inszeniert hat, habe ich erst beim Schreiben dieses Beitrags gesehen. Mal ehrlich: Das nenne ich einen Brand Experience Match.
So inszeniert Mollerus den Winter selbst: Die Skifahrerin steht auf der Tasche.
Die Geschichte
Angefangen hat alles mit einer Lücke im Sortiment. «Meine Eltern betrieben früher mehrere Modegeschäfte in Nordrhein-Westfalen», erzählt Mimi Mollerus im Interview mit Persönlich. Passende Taschen für ihre Läden fanden sie keine. Also schlug die Mutter vor, dass der Vater selbst welche macht.
1984 entstand im Ruhrgebiet die erste Tasche, ein Liebesbeweis von Ernst Mollerus an seine Frau Monika. Darum hiess die Marke anfangs «Monika Mollerus». Die Firma dahinter, die Maison Mollerus AG, steht seit September 1984 im Handelsregister. Ihr Zeichen ist ein Ikarus, der die beiden M verbindet. Und die Modelle tragen Schweizer Namen: Bern, Niesen oder Glarus.
2011 kam die Tochter, Mirija Richner-Mollerus, ins Unternehmen, und mit ihr kam Bewegung: «Als ich 2011 ins Unternehmen kam, änderte sich vieles. Wir verlegten unseren Firmensitz nach Erlenbach.» Die Kollektion wurde farbiger, 2012 eröffnete in Erlenbach der erste Flagship Store. 2024 feierte Maison Mollerus 40 Jahre, unter dem Motto «Looking back, but moving forward».
Wer dahinter steht
Heute führt die Tochter das Haus, die meisten kennen sie als Mimi Mollerus. Sie hat eine Lehre beim deutschen Modehaus Comma gemacht, International Business und Marketing in Spanien und den USA studiert und zwischendurch bei IWC gearbeitet. Im Juli 2025 haben sich Ernst und Monika Mollerus aus dem Verwaltungsrat zurückgezogen, seither ist ihre Tochter Präsidentin. In den Kampagnen steht sie oft selbst vor der Kamera.
«Schweizer Luxus mit Tradition»: 40 Jahre Maison Mollerus bei Forbes.
Ein Satz ihres Vaters begleitet sie bis heute: «Klein, mein und fein.» Gemeint ist, unabhängig zu bleiben und die eigene DNA nicht aus der Hand zu geben. Dazu passt die Produktion: Gefertigt wird von Hand in Meisterateliers im Tessin und in Norditalien, mit denselben Herstellern wie von Anfang an. Nach Asien auszulagern, kommt für Mimi Mollerus bewusst nicht in Frage.
Woran sie gerade arbeitet, ist weniger laut, aber typisch für ein Familienunternehmen: die Qualität weiter steigern, besonders bei den Metallteilen, und die Abläufe schlanker machen. «Mich interessiert wirklich die Wahrnehmung unserer Kundinnen», sagt sie. Eine Tasche müsse vor allem funktional sein, gemacht für Handy, Schlüssel und alles, was eine Frau in ihrem Alltag trägt.
Warum Erlenbach und nicht die Stadt?
Wer eine Schweizer Taschenmarke an der Bahnhofstrasse erwartet, wird überrascht. Maison Mollerus sitzt seit 2011 in Erlenbach, direkt an der Seestrasse. Hier sind Firmensitz und Flagship Store zu Hause. Statt im Trubel der Stadt erlebt man Mollerus hier am Zürichsee, im kleinen, fast intimen Rahmen. Wer kommt, kommt nicht zufällig vorbei, sondern ganz bewusst.
Maison Mollerus auf einen Blick
Eine Familie, ein Zeichen, vier Jahrzehnte
01
Vom Liebesbeweis zur zweiten Generation
1984
Die erste Tasche: ein Liebesbeweis von Ernst an Monika Mollerus, gefertigt im Ruhrgebiet
Marke «Monika Mollerus», Firma Maison Mollerus AG
2011
Mimi Mollerus kommt dazu: Firmensitz nach Erlenbach, mehr Farbe in der Kollektion
2012
Erster Flagship Store in Erlenbach
2024
40 Jahre: «Looking back, but moving forward»
2025
Generationenwechsel: Ernst und Monika Mollerus verlassen den Verwaltungsrat, Mimi Mollerus wird Präsidentin
02
Wo und wie gefertigt wird
Mit denselben Herstellern wie von Anfang an. Asien ist bewusst kein Thema.
Tessin
Meisterateliers in der Schweiz
Norditalien
Partner seit den Anfängen
Von Hand
Taschen, Kleinleder und Reisegepäck
Canvas und Kalbsleder
Robust, leicht, für jeden Tag
03
Die Erkennungszeichen
Ein Ikarus, der die beiden M verbindet. Und Modelle, die nach Schweizer Orten und Bergen heissen.
Zum Beispiel
Kult oder Klassiker?
Laut wird Maison Mollerus nie. Und trotzdem ist die Marke in der Schweiz zum Kult geworden: Die Taschen sieht man in jeder Stadt, und auf Ricardo und Tutti gibt es einen eigenen Markt für gebrauchte Modelle. Preislich liegt Mollerus im oberen Premium-Segment, die meisten Taschen kosten zwischen 700 und 900 Franken. Luxus, den man im Alltag trägt, nicht in der Vitrine.
Wie viel «klein, mein und fein» wert ist, zeigt ein Blick auf eine andere Schweizer Marke. Bally wurde 2024 an einen US-Investor verkauft. 2026 endete die Produktion in der letzten Schweizer Fabrik in Caslano, seit dem Sommer läuft eine Nachlassstundung. Maison Mollerus lässt nach über 40 Jahren immer noch im Tessin fertigen. Meine Antwort auf die Frage ist darum: beides. Kult, weil man sie überall erkennt. Klassiker, weil dahinter eine Familie steht, die ihre Marke nicht aus der Hand gibt.
Brand Circle
Maison Mollerus, von innen nach aussen
Im Brand Circle stehen nur Marken, die von innen nach aussen gebaut sind: vom Warum bis zum Moment, der bleibt.
Wo es mich packt
Viele Kundinnen erzählen Mimi Mollerus, dass sie bei MM an ihre Mutter denken, an ein Stück Heimat. Genau das ist für mich Markenführung: Eine Tasche wird zur Erinnerung, weit über das Produkt hinaus.
Für mich ist Mollerus eine Marke, die man lange unterschätzt hat. Als alle Louis Vuitton wollten, stand sie fast ein wenig im Schatten. Dabei setzt sie mit ihrem Zeichen als Muster auf dem Vinerus-Canvas auf denselben Logo-Trend, nur leiser. Und sie hat die Trends überdauert, ohne sich zu verbiegen. Heute ist sie für mich eine richtige Lifestyle-Marke, auch für Jugendliche, und spielt in den saisonalen Kollektionen viel mehr mit Farben. Längst gibt es nicht nur Taschen, sondern auch Gürtel, Uhren und Sonnenbrillen. Ich trage Mollerus im Schnee vor dem Matterhorn genauso wie zum pinken Mantel.
Das Zeichen als Muster: Ikarus und MM auf gestreiftem Canvas.
Eine Weltmarke wie Freitag oder Akris ist Mollerus nicht. Einen eigenen Laden gibt es nur in Erlenbach, dafür verkauft sie über Händler, auch in Deutschland und den Niederlanden. Und zum Jubiläum warb sie sogar bei Forbes Österreich. Vielleicht ist genau das ihre Stärke: wachsen, ohne laut zu werden.
Ein Liebesbeweis, eine Familie und ein Satz, der bis heute gilt: klein, mein und fein.
Maison Mollerus AG, gegründet 1984 · Flagship Store: Seestrasse 74, 8703 Erlenbach · mollerus.com · Instagram: @mollerusswiss
Fotos: Marlyn Kolenda · eingebettete Instagram-Posts der jeweiligen Accounts