Brand Stories: Wer steckt hinter einer Marke, was will sie, und was macht sie echt? Heute: The Matcha Club.
Wer am Zürcher Hauptbahnhof Richtung Europaallee geht, kennt die Schlange. Sie steht vor einer Bar, in der fast alles weiss ist, ausser dem, was in den Bechern ist. The Matcha Club ist für mich einer der Vorreiter in Zürich. Und eine Marke, die ihr Produkt ernster nimmt als sich selbst.
Die Geschichte
Angefangen hat alles im Juni 2022 mit einem Pop-up am Zürcher Hauptbahnhof. «Wir hatten kein grosses Startkapital, haben mit einer einfachen Stahltheke begonnen», erzählte Mitgründer Alrik Bytyqi später Blick. Die Leute standen trotzdem Schlange. Die Gründer nannten ihr Lokal damals «die erste contemporary Matcha-Bar der Schweiz».
Hinter der Idee steht vor allem Chiara Dalla Mora. Sie arbeitete im KV und im Banking, Matcha kannte sie aber schon lange: «Meine Mutter hat mir schon mit 13 zu Hause Matcha gemacht.» Ihre Mutter ist eine passionierte Yogini. Gemeinsam mit Alrik Bytyqi, der aus der Immobilienbranche kam, und seinem Bruder Armend gründete sie im November 2022 die The Matcha Club GmbH.
Im März 2023 folgte die erste feste Bar an der Bärengasse 16. Im November 2024 kam die zweite dazu, zurück am Hauptbahnhof, in der Passage Sihlquai beim Eingang Europaallee. Und es geht weiter: Inzwischen gibt es die erste Bar ausserhalb der Schweiz, in Mailand an der Via Pontaccio 5 im Quartier Brera. Und die Bar an der Bärengasse soll 2027 an den Paradeplatz ziehen.
Wer dahinter steht
Kein Konzern, keine bekannten Investoren: Die GmbH gehört den drei Gründern. Chiara Dalla Mora ist Creative Director, Alrik Bytyqi CEO, Armend Bytyqi berät strategisch.
Der Matcha kommt aus Uji bei Kyoto, laut The Matcha Club eigens für sie produziert, aus der ersten Frühlingsernte und biologisch. Bevor sie sich festlegten, testeten die Gründer über 60 verschiedene Matchas und arbeiteten selbst auf der Farm mit. Die Milchauswahl erfüllt alle Kundenbedürfnisse. Von Oat, Coconut, Almond und Soy bieten sie ebenfalls Kuhmilch an.
Ihr Selbstverständnis fassen sie in einem Satz zusammen: «Dedicated to the culture of matcha.» Und Chiara sagt: «Damit wollen wir zeigen, dass Matcha ein Lebensgefühl und nicht bloss ein Getränk ist.» Dazu passen Formate wie Yoga-Sessions und Self-Care-Matcha-Walks.
Trend entdeckt oder Hype genutzt?
Erfunden hat The Matcha Club den Matcha in Zürich nicht. Matcha Latte gab es hier schon früher, zum Beispiel im Café Miyuko. Aber als eigene, moderne Matcha-Bar waren sie 2022 sehr früh dran.
Der grosse Hype kam erst danach. 2025 wurde Matcha weltweit knapp: Hitze drückte die Ernten, Social Media trieb die Nachfrage, und an der Tee-Auktion in Kyoto stiegen die Preise im Mai 2025 um rund 170 Prozent auf einen Rekord. Blick schrieb damals, mit The Matcha Club sei der Hype auch in Schweizer Städten angekommen.
Meine Antwort auf die Frage ist darum: beides. Sie haben den Trend früh erkannt und den Hype danach genutzt, um zu wachsen. Chiara sagt es selbst: «Social Media ist wie Mund-zu-Mund-Propaganda, einfach schneller.»
The Matcha Club auf einen Blick
Früh dran, direkt bezogen, immer wieder neu
01
Über zwei Jahre vor dem Hype
Im Juni 2022 stand die erste Stahltheke am HB. Weltweit viral ging Matcha erst im Herbst 2024.
Jahr
The Matcha Club
Matcha weltweit
2022
Juni: Pop-up am HB, mit einer Stahltheke
Nov.: GmbH gegründet
Noch kein Hype
2023
März: erste feste Bar, Bärengasse 16
Noch kein Hype
2024
Nov.: zweite Bar, HB Passage Sihlquai
Herbst: Matcha geht auf Social Media viral
Japans Grüntee-Exporte steigen um 25 %
2025
–
Mai: Rekordpreis an der Tee-Auktion in Kyoto, plus 170 %
Matcha wird weltweit knapp
2026
Mailand: erste Bar im Ausland, Via Pontaccio 5
–
2027
Geplant: Bärengasse zieht an den Paradeplatz
–
02
Woher der Matcha kommt
The Matcha Club arbeitet nach eigenen Angaben direkt mit Teegärten in Japan. Ihr Matcha wird eigens für sie produziert.
Uji, Kyoto
Japans berühmteste Matcha-Region
Direkt
Zusammenarbeit mit den Teegärten
Erste Ernte
Die Blätter aus dem Frühling
Bio
Biologisch angebaut
Über 60 Matchas haben die Gründer getestet, bevor sie sich festlegten. Ihren Matcha gibt es auch als Pulver für zu Hause.
03
Signature: die saisonalen Kreationen
Neben den Klassikern wechseln die Kreationen mit der Saison, sogar die Glace. Saisonale Specials waren schon beim Pop-up 2022 angekündigt. Für mich sind sie damit in Zürich Vorreiter.
Auf der Karte zum Beispiel
Brand Circle
The Matcha Club, von innen nach aussen
Im Brand Circle stehen nur Marken, die von innen nach aussen gebaut sind: vom Warum bis zum Moment, der bleibt.
Wo es mich packt
Ehrlich gesagt fand ich das Lokal am Anfang fast steril, und das war für mich zuerst etwas komisch. Aber als Marke gesehen: super. Man kommt herein, alles ist weiss, und man sieht tatsächlich nur das grüne Pulver. Genau so ist es gemeint: «Der volle Fokus liegt auf dem Produkt», sagt Chiara. Sogar die Backwaren sind so gedacht, clean und minimal.
Am Hauptbahnhof hole ich mir dort meinen Matcha für jeden Tag. Warm nehme ich ihn mit Sojamilch, kalt am liebsten einen der Klassiker, den Strawberry Matcha oder die saisonale Kreation, immer mit Kokosmilch und Zimt-Topping. Neu dazugekommen ist die Cinnamon Bun.
Und die Customer Experience denken sie mit: Ich bestelle über Uber Eats zur Abholung vor und muss nicht anstehen. Einziger Nachteil: Meine Stempelkarte kann ich dann nicht nutzen. :)
Drei junge Gründer, eine Stahltheke und eine klare Idee. Daraus ist eine Marke geworden, die man auf den ersten Blick erkennt, weil sie nur eine Farbe zeigt.
The Matcha Club GmbH, gegründet 2022 in Zürich · Bars: Zürich HB, Passage Sihlquai (Eingang Europaallee, Ebene –1), Bärengasse 16, 8001 Zürich, und Via Pontaccio 5, Mailand · thematchaclub.com · Instagram: @the.matchaclub · TikTok: @thematcha.club
Fotos: Marlyn Kolenda · Bild mit Becher: © The Matcha Club, mit freundlicher Genehmigung