Brand Stories: Wer steckt hinter einer Marke, was will sie, und was macht sie echt? Heute: haraiso.
Matcha ist überall. In jedem Café, in jeder Farbe, mit Hafermilch, Vanille oder Erdbeere. Und ja, ich liebe meinen Matcha to go. Aber manchmal will ich wissen, woher das grüne Pulver kommt und was es in Japan bedeutet. Dafür muss ich nicht nach Kyoto fliegen. Ein Abstecher an die Zentralstrasse in Wiedikon reicht, ein paar Schritte vom Bahnhof.

Die Geschichte
haraiso ist kein Café, jedenfalls nicht auf den ersten Blick. «Japanese Craft and Culture» nennt sich der Laden, und genau das findet man: Keramik aus Arita, Räucherstäbchen, einen Matcha-Besen aus Bambus, ausgewählte Vintage-Stücke. Dazwischen Shoji-Wände, Papierlaternen und ein Regal voller Schallplatten. Wer sich Zeit nimmt, bekommt dazu einen Matcha.


Die Idee entstand zur Sommersonnenwende 2023. Im Oktober öffnete haraiso den ersten Raum, damals noch im Seefeld. Genau zwei Jahre nach der Idee, wieder zur Sonnenwende, schloss das Team dieses erste Kapitel ab, «gently, and with gratitude», wie es selbst schreibt. Nach einer kreativen Pause ging es im Herbst 2025 an der Zentralstrasse 24 weiter, mit neuem Raum und frischer Energie.
Der Name kommt aus der Musik. «はらいそ», Haraiso, heisst das Album, das Haruomi Hosono 1978 veröffentlicht hat, mit Ryuichi Sakamoto an den Synthesizern. Im selben Jahr gründeten die beiden mit Yukihiro Takahashi das Yellow Magic Orchestra. Paraíso ist Portugiesisch und heisst Paradies. haraiso meint damit aber keinen fernen Ort, sondern «a moment in between»: einen Moment zwischen Traum und Wirklichkeit. Wer vor dem Plattenregal steht, versteht, warum das passt.

Wer dahinter steht
Hinter haraiso stehen keine Investoren, sondern die Familie Oki, zusammen mit Haruna Abe. Die Okis kennt man in Zürich vielleicht schon. Seit 2016 führen sie das Ooki Izakaya in Wiedikon, an derselben Strasse, seit 2021 den Ooki Pavillon beim Letzigrund. Gastgeben liegt hier in der Familie.
Mit haraiso wollen sie mehr als verkaufen. Der Laden soll eine Plattform sein für den Austausch zwischen Kreativen aus Japan und der Schweiz. Es gibt Ausstellungen und Pop-ups, Workshops für Sashiko, die japanische Stickerei, für Kintsugi und fürs Schärfen japanischer Messer. Und Teezeremonien mit Soyu Mukai, Teemeisterin der Urasenke-Schule. Sie hat mit zwölf Jahren angefangen, mit dreissig ihre Lehrbefugnis erhalten und lebt heute in Zürich.
Matcha, ganz ohne Hype
Matcha ist längst ein Lifestyle-Produkt. Die Nachfrage aus dem Ausland ist so gross, dass Japan kaum nachkommt: Die Ernte 2025 fiel kleiner aus als im Vorjahr, und am Teemarkt in Kyoto haben sich die Preise fast verdreifacht. Auf vielen Dosen steht dazu «Ceremonial Grade». Klingt edel, ist aber vor allem Marketing. Das Kyotoer Teehaus Ippodo schreibt, der Begriff sei für den Westen erfunden worden und in Japan gar nicht gebräuchlich.
Bei haraiso merkt man davon nichts. Hier wird Matcha nicht inszeniert, sondern serviert: in Ruhe, auf einem Untersetzer aus Holz, daneben ein Mochi auf Papier, mit einem kleinen Holzstäbchen. Und keine Angst: Deinen Matcha Latte bekommst du hier auch.


Brand Circle
haraiso, von innen nach aussen
Im Brand Circle stehen nur Marken, die von innen nach aussen gebaut sind: vom Warum bis zum Moment, der bleibt.
Wo es mich packt
Versteh mich nicht falsch: Ich liebe meine Matchas to go. Auf dem Weg zum nächsten Termin, zwischen zwei Calls, in der Hand beim Spazieren. Aber das Erlebnis in diesem kleinen Laden ist ein Fall für sich.
Ich bin wegen des Matchas gekommen und mit Matcha-Pulver nach Hause gegangen. So gut war er. Dazu gab es einen Mochi, und das will bei mir etwas heissen: Ich mache Mochis selbst und liebe sie, entsprechend genau schaue ich hin. Neu entdeckt habe ich Monaka: zwei hauchdünne, knusprige Waffeln aus Mochi-Reis, gefüllt mit Glace. Ein japanisches Glace-Sandwich, und ich frage mich, warum ich das erst jetzt probiert habe.
Was mich aber wirklich packt, ist das Gefühl. Musik, ein feiner Duft, Shoji-Wände, alte Kameras und Fächer, draussen Ahorn und eine Steinlaterne im Kies. Für einen Moment vergisst man, dass man in Wiedikon ist, genau wie es der Name verspricht: a moment in between. Für mich ist haraiso wohl der authentischste Japan-Laden in Zürich.
Und der Matcha-Tipp für alle, die mehr wollen als einen grünen Drink zum Mitnehmen. Hingehen, hinsetzen, probieren. Und am besten gleich ein bisschen Matcha für zuhause mitnehmen.
Matcha to go bleibt mein Alltag. haraiso ist mein Moment dazwischen.
haraiso GmbH, gegründet 2023 · haraiso, Japanese Craft and Culture, Zentralstrasse 24, 8003 Zürich · Mi bis Fr 11 bis 18 Uhr, Sa 11 bis 17 Uhr · haraiso.ch · Instagram: @haraiso.ch
Fotos: Marlyn Kolenda (Danke an @harrysding für den Geheimtipp.)